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Das
Fahrradfahren ist eine sehr effiziente und umweltfreundliche Form
des Personentransports. Und für viele Transportaufgaben ist
auch in einer globalisierten Welt das Fahrrad eine sehr gute Wahl,
sowohl in den technologieorientierten Ländern, als auch in
den so genannten unterentwickelten Ländern. Allerdings gibt
es auch viele Gründe, die die Menschen davon abhalten, das
Fahrrad zu benutzen: Sicherheit, Komfort, Transportkapazität
und vieles mehr. Es gibt also Entwicklungsbedarf. Diesen Entwicklungsprozess
soll durch ein Netzwerk, dem "Open Bicycle Network" und
daraus entstehenden Projekten unterstützt werden. ZielDas Tempo der aktuellen Fahrradentwicklung ist im Vergleich zu den übrigen technischen Entwicklungen immer noch sehr langsam. Was heute neu entwickelt wird, ist primär für den Freizeitbereich. Der Alltagsgebrauch von Fahrrädern ist zu wenig im Mittelpunkt der technischen Optimierung. Dies wird besonders offensichtlich, wenn man sich Fahrräder und ihre Nutzung im ländlichen Raum von z.B. Afrika ansieht. Technische Entwicklung wird für die verschiedenen Nutzungsbedingungen unterschiedlich sein, aber in jedem Fall können alle weltweit von dem Austausch der Ideen und des Wissens profitieren. Den Ausdruck Fahrrad möchte ich hier sehr weit gefasst verstanden wissen, also Fahrzeuge, bei denen der Mensch als Antriebsquelle (mit)wirkt. Egal ob 2, 3 oder 4 Räder, egal ob mit Karosserie oder ohne. Wir wollen die Möglichkeit schaffen, dass die "Software" für Fahrräder, also Konstruktionszeichnungen, CAD-Datensätze, Fertigungsunterlagen usw. für Jeden frei nutzbar sind. Und wo Jeder diese mit optimieren kann. Statt geheimen Material der Unternehmen oder durch kommerzielle Schutzrechte (Patent, Gebrauchsmuster) beschränkte Ideen wollen wir Ideen und Wissen frei verfügbar machen. Insofern kann es eventuell notwendig sein, auch juristisch ein neues Lizenz-Modell zu schaffen. Die normale Entwicklungskultur mit Patenten, Betriebsgeheimnissen und Konkurrenzdenken soll ergänzt werden um eine zusätzliche Alternative. Für manche Projekte ist der das geistige Eigentum schützende Weg der richtige, für andere der hier angebotene offene Weg. Auch innerhalb eines Unternehmens sind durchaus beide Formen und eventuell Mischformen der Entwicklungsarbeit und des Umganges mit Wissen und Ideen möglich. Wir wünschen uns lokale und globale Kooperationen zwischen Menschen, Teams und Organisationen, die Interesse haben, an besseren Fahrrädern mitzuarbeiten. Kooperationen über staatliche und fachliche Grenzen hinweg: Fahrradforscher, Fahrradentwickler, Zulieferer, Fahrradhersteller, Komponentenhersteller, Fahrradbastler, Distributoren, Fahrradnutzer, Übersetzer, Dokumentatoren, IT-Profis, Lehrer, Juristen, Arbeitsgruppen an Schulen und Hochschulen, Ausbildungsklassen und viele mehr.
Ich weiß nicht, wie sich die Idee dieses Netzwerkes weiter
entwickeln wird. Und ich weiß auch nicht, welche Produkte
daraus entstehen werden. Aber ich bin sehr zuversichtlich, dass
es ein sehr guter Weg ist. Es ist nebenbei eine Chance, neue Formen
der Zusammenarbeit zu erproben. BasisBasis dieser Idee, sind meine persönlichen Erfahrungen mit der Fahrradforschung (langjährige Mitarbeit in der Arbeitsgruppe Fahrradforschung an der Universität Oldenburg), in der Fahrradentwicklung (Mitarbeit in der Fahrradmanufaktur in Bremen und bei Fichtel & Sachs). Hinzu kommen meine Erfahrungen als Projektleiter in der Entwicklung und als Trainer und Coach im Bereich Projektmanagement. Und dann noch meine Erfahrungen mit Großgruppen-Methoden (Open Space, Zukunftskonferenz, Strategiekonferenz, Wertschätzende Entwicklung) und Netzwerken. Auch wenn die Idee, für Sie, lieber Leser, liebe Leserin, vielleicht verrückt klingen mag, mir erscheint sie sehr realistisch.
Und so ganz neu ist die Idee auch nicht: Im Software-Bereich hat
sich die Open-Source-Bewegung als wichtige Größe etabliert
(Stichwort Linux). Und aus der Konferenzform Open Space entstehen
langsam und vereinzelt die ersten Open Space Organisationen - Organisationen,
die nach den Prinzipien des Open Space arbeiten. Werte und PrinzipienAus dem Open Space und der Open-Source-Bewegung stammen die Prinzipien einer Zusammenarbeit in dem geplanten "Open Bicycle Network":
NetzwerkWir wollen ein Netzwerk schaffen für die Entwicklung von Fahrrädern. Das Netzwerk an Kontakten und Beziehungen zwischen vielen interessierten Personen und Unternehmen bzw. Organisationen ist die Basis für einzelne Projekte. Aus dem Netzwerk heraus können sich kleine lokale Teams bilden, die z.B. gemeinsam in einem Workshop für sich selbst Fahrräder bauen. Vielleicht wird es auch lokale Entwicklungsprojekte geben. Der Vorteil der lokalen Zusammenarbeit ist die Möglichkeit, Hardware (Maschinen, Werkzeuge, Material) gemeinsam zu benutzen. Die nächste Ebene ist dann die der gleichen Sprache. Also z.B. die Gruppe der deutschsprachig Interessierten. Auf dieser Ebene stellen wir uns eine Kombination aus Kommunikation über das Internet und realen Treffen (in Form von Open-Space- Workshops) vor. Eine zentralen Webserver mit für das Netzwerk interessanten wissenschaftlichen Texten, Forschungsberichten, Messergebnissen, Datenblättern, Konstruktionsunterlagen (CAD, CAE), Bauanleitungen, Wer macht was, Wer biete welche Ressourcen, Wer braucht was usw. - bzw. Links zu den entsprechenden Quellen. Ziel ist Kooperationen zu initiieren und punktuelle Zusammenarbeit zu unterstützen.
Mittelfristig soll das Netzwerk global werden. Kommunikation über
das Internet. Eine zentrale Stelle mit Links zu den ansonsten autonomen
Gruppen und Projekten. Fertigungsunterlagen für Projekte in
"unterentwickelten" Ländern. Übersetzung der
interessantesten fremdsprachigen Materialien. Und vielleicht schaffen
wir es ja auch, per Groupware o.ä. global an Projekten sehr
konkret zusammen zu arbeiten. ProjekteIch habe den Eindruck, dass es eine Reihe von Projekten gibt, für die das offene Netzwerk sehr hilfreich sein kann. Projekte, die Einzelne nicht allein fortsetzen können z.B. wegen Zeit- oder Ressourcenmangel. Oder weil man das Projekt langsam ganz abgeben möchte. Konkretes Beispiel: Für mein vor 11 Jahren zusammen mit Martin Glup entwickeltes Fahrrad gibt es global immer mal wieder den Wunsch, es nachzubauen. Ich möchte also eine Bauanleitung für dieses Fahrrad über das Internet kostenlos als geistiges Gemeineigentum anbieten. Ich suche jetzt ein Team im Raum Bielefeld, das diese Fahrräder mit meiner Unterstützung bauen möchte und mir die Möglichkeit bietet, daraus eine sehr anschauliche Bauanleitung zu erstellen. Kleine lokale Gruppen mit einer kleinen Werkstatt können es dann nachbauen - egal ob in Deutschland, in den USA oder Australien.
Außerdem habe ich Interesse daran, dies Fahrrad weiter zu
entwickeln. Noch mehr Nutzerorientierung durch z.B. Faltbarkeit.
Aber allein ist mir der Aufwand zu groß. InitiierungDer erste Schritt ist dies Papier. Der zweite Schritt ist, ein kleines Netz von Personen zu schaffen, die die Idee des "Open Bicycle Network" mit tragen und unterstützen. Personen, die die weiteren Schritte zum Netzwerk mit planen und die Idee bekannt machen. Kommunikation primär per Mailingliste, aber auch vor Ort oder Telefon. Wenn das Konzept mit der kleinen Start-Gruppe optimiert wurde, möchte ich die Idee öffentlich machen. Also an die Presse, Verbände, Vereine, relevante Unterneh-men, Newsgroups usw.. Dieser Schritt an die Öffentlichkeit soll gekoppelt werden mit einer Einladung zu einem etwa 2½-tägigen Open-Space-Workshop im deutschsprachigen Raum. Bei diesem realen Zusammentreffen vieler Interessierter lernen sie sich gegenseitig (wertschätzend) kennen, tauschen Ideen aus und starten Projekte. Der Workshop dient also zur Festigung des Netzwerkes, für vielfältige, neue Kontakte, zum ersten Ausprobieren der neuen Form der Zusammenarbeit und zur Initiierung der konkreten Projekte. Parallel dazu wird ein Server im Internet für das Netzwerk eingerichtet. Neben der Dokumentation des Workshops dient er auch als Kontakt- und Ressourcenbörse. Zunächst deutschsprachig. In einem weiteren Schritt erfolgt die Internationalisierung. Also Übersetzen der dann vorhanden Materialien auf dem Server und Verbreitung der Idee weltweit.
Schließlich hoffe ich, dass wir auch zu einer offenen, globalen
Zusammenarbeit kommen. Eventuell unterstützt über entsprechende
Software im Internet. FragenViele Fragen sind natürlich noch offen. Aber dies gehört einfach zu einer dynamischen Organisation. Wahrscheinlich werden sie sich im Laufe der Zeit klären. So ist zum Beispiel die Finanzierung offen. Ist alles einschließlich der anfänglichen Koordinierung und dem Server kostenfreie Leistung der Mitwirkenden? Oder gibt es irgendwo Fördermittel dafür und Sponsoren? Unklar ist der Termin für die Open-Space-Konferenz. Ich tendiere zu Frühjahr 2002 (März). Was ist an anderen Terminen zu beachten? Wie ich aus eigener Erfahrung weiß, sind gute Übersetzungen gar nicht so einfach. Wer hilft uns hier weiter beim Schritt Richtung Internationalisierung? Vielleicht ist dies ja auch schon eines der ersten Projekte auf globaler Ebene: Die Übersetzung ins Englische. Wie bekommen wir den zentralen Server möglichst einfach gemanagt? Stichworte Content Management und Groupware?
Über rein fahrradtechnische Fragen hinaus gibt es also eine
Reihe von Themen für den ersten Open-Space-Workshop. Schau'n
wir mal! Ihr BeitragLieber Leser, liebe Leserin! Nun haben Sie hoffentlich eine Idee davon bekommen, was "Open Bicycle Network" bedeuten kann. Und vielleicht haben Sie Lust, auf irgendeine Weise daran mitzuwirken. Ich freue mich auf Ihre Mitarbeit! Schicken Sie mir doch einfach eine Mail und geben Sie mir ein konstruktives Feed-back zu der Idee des "Open Bicycle Network". Vielleicht haben Sie ja auch schon Ideen, wie Sie das "Open Bicycle Network" unterstützen können. Ich bin neugierig auf Ihre Anregungen.
Wenn Sie gerne auf dem Laufenden gehalten werden möchten über
das "Open Bicycle Network": Es gibt eine Internet-Seite
dazu unter www.lustaufzukunft.de/obin. Dort können Sie sich
auch für einen Newsletter zum "Open Bicycle Network"
eintragen. Ich hoffe auf eine rege Resonanz.
"Open Bicycle Network" ist eine Initiative von Rainer Pivit,
©
Rainer Pivit, Marktstr.
29a, D-33602 Bielefeld, Tel 05 21 - 201 80 81 |
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