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Diesen Text gibt es auch als PDF-Datei (63 kB),
ebenso das vollständige Mindmap als PDF (150 kB).

 
Open Bicycle Network —
ein Netzwerk für die Entwicklung von Fahrrädern

von Rainer Pivit

Mindmap - gibt's detailliert als PDF-Datei (s.o.)

Das Fahrradfahren ist eine sehr effiziente und umweltfreundliche Form des Personentransports. Und für viele Transportaufgaben ist auch in einer globalisierten Welt das Fahrrad eine sehr gute Wahl, sowohl in den technologieorientierten Ländern, als auch in den so genannten unterentwickelten Ländern. Allerdings gibt es auch viele Gründe, die die Menschen davon abhalten, das Fahrrad zu benutzen: Sicherheit, Komfort, Transportkapazität und vieles mehr. Es gibt also Entwicklungsbedarf. Diesen Entwicklungsprozess soll durch ein Netzwerk, dem "Open Bicycle Network" und daraus entstehenden Projekten unterstützt werden.zum Seitenanfang

Ziel

Das Tempo der aktuellen Fahrradentwicklung ist im Vergleich zu den übrigen technischen Entwicklungen immer noch sehr langsam. Was heute neu entwickelt wird, ist primär für den Freizeitbereich. Der Alltagsgebrauch von Fahrrädern ist zu wenig im Mittelpunkt der technischen Optimierung. Dies wird besonders offensichtlich, wenn man sich Fahrräder und ihre Nutzung im ländlichen Raum von z.B. Afrika ansieht. Technische Entwicklung wird für die verschiedenen Nutzungsbedingungen unterschiedlich sein, aber in jedem Fall können alle weltweit von dem Austausch der Ideen und des Wissens profitieren.

Den Ausdruck Fahrrad möchte ich hier sehr weit gefasst verstanden wissen, also Fahrzeuge, bei denen der Mensch als Antriebsquelle (mit)wirkt. Egal ob 2, 3 oder 4 Räder, egal ob mit Karosserie oder ohne.

Wir wollen die Möglichkeit schaffen, dass die "Software" für Fahrräder, also Konstruktionszeichnungen, CAD-Datensätze, Fertigungsunterlagen usw. für Jeden frei nutzbar sind. Und wo Jeder diese mit optimieren kann. Statt geheimen Material der Unternehmen oder durch kommerzielle Schutzrechte (Patent, Gebrauchsmuster) beschränkte Ideen wollen wir Ideen und Wissen frei verfügbar machen. Insofern kann es eventuell notwendig sein, auch juristisch ein neues Lizenz-Modell zu schaffen.

Die normale Entwicklungskultur mit Patenten, Betriebsgeheimnissen und Konkurrenzdenken soll ergänzt werden um eine zusätzliche Alternative. Für manche Projekte ist der das geistige Eigentum schützende Weg der richtige, für andere der hier angebotene offene Weg. Auch innerhalb eines Unternehmens sind durchaus beide Formen und eventuell Mischformen der Entwicklungsarbeit und des Umganges mit Wissen und Ideen möglich.

Wir wünschen uns lokale und globale Kooperationen zwischen Menschen, Teams und Organisationen, die Interesse haben, an besseren Fahrrädern mitzuarbeiten. Kooperationen über staatliche und fachliche Grenzen hinweg: Fahrradforscher, Fahrradentwickler, Zulieferer, Fahrradhersteller, Komponentenhersteller, Fahrradbastler, Distributoren, Fahrradnutzer, Übersetzer, Dokumentatoren, IT-Profis, Lehrer, Juristen, Arbeitsgruppen an Schulen und Hochschulen, Ausbildungsklassen und viele mehr.

Ich weiß nicht, wie sich die Idee dieses Netzwerkes weiter entwickeln wird. Und ich weiß auch nicht, welche Produkte daraus entstehen werden. Aber ich bin sehr zuversichtlich, dass es ein sehr guter Weg ist. Es ist nebenbei eine Chance, neue Formen der Zusammenarbeit zu erproben.zum Seitenanfang

Basis

Basis dieser Idee, sind meine persönlichen Erfahrungen mit der Fahrradforschung (langjährige Mitarbeit in der Arbeitsgruppe Fahrradforschung an der Universität Oldenburg), in der Fahrradentwicklung (Mitarbeit in der Fahrradmanufaktur in Bremen und bei Fichtel & Sachs). Hinzu kommen meine Erfahrungen als Projektleiter in der Entwicklung und als Trainer und Coach im Bereich Projektmanagement. Und dann noch meine Erfahrungen mit Großgruppen-Methoden (Open Space, Zukunftskonferenz, Strategiekonferenz, Wertschätzende Entwicklung) und Netzwerken. Auch wenn die Idee, für Sie, lieber Leser, liebe Leserin, vielleicht verrückt klingen mag, mir erscheint sie sehr realistisch.

Und so ganz neu ist die Idee auch nicht: Im Software-Bereich hat sich die Open-Source-Bewegung als wichtige Größe etabliert (Stichwort Linux). Und aus der Konferenzform Open Space entstehen langsam und vereinzelt die ersten Open Space Organisationen - Organisationen, die nach den Prinzipien des Open Space arbeiten.zum Seitenanfang

Werte und Prinzipien

Aus dem Open Space und der Open-Source-Bewegung stammen die Prinzipien einer Zusammenarbeit in dem geplanten "Open Bicycle Network":

  • Jeder macht, was er will.
    Es gibt Keinen, der einem Anweisungen gibt. Jeder entscheidet selbst, wo und wie er sich einbringt.

  • Wer mitmacht, ist die richtige Person.
    Da Jeder frei selbst entscheidet, gibt es keine Bremser, sondern nur engagierte Mitwirkende.

  • Offenheit für das, was passiert.
    Da so viel Freiheit existiert, entwickeln sich die Dinge oft sehr dynamisch und nicht so leicht vorhersehbar. Lassen Sie sich überraschen! Da alle an einem Projekt Mitarbeitende das gemeinsame Interesse und Ziel verbindet, bereichert Spontanität das Projekt.

  • Es beginnt, wenn die Zeit reif ist.
    Persönliches Engagement kann man nicht erzwingen. Festes Zeitmanagement und eine terminorientierte Projektplanung ist daher schwierig. Wenn aber die richtigen Leute zur richtigen Zeit zusammen treffen, kann "die Post abgehen".

  • Anwender schaffen die Innovationen.
    Wenn Anwender Produkte (mit)entwickeln sind die Ergebnisse sehr stark an der späteren Nutzung orientiert und haben somit bessere Erfolgschancen.

  • Evolution der Konstruktionen.
    Durch die Freiwilligkeit sterben Sackgassen in der Entwicklung sehr schnell an mangelnder Mitarbeit. Die spannensten Ideen und Konzepte bekommen auch die beste Unterstützung an freiwilliger Arbeitskraft.

  • Peer Reviews.
    Der Begriff stammt aus Wissenschaftler-Kreisen. Peer Reviews bedeutet gegenseitiges, kollegiales und partnerschaftliches Feed-back. Keine Kontrolle von oben, sondern die Mitwirkenden in einem Projekt (und darüber hinaus) stehen in einem regen Austausch und weisen sich gegenseitig auf eventuelle Probleme hin.

  • Geistiges Gemeineigentum.
    Heute entstehen neue Ideen nicht im luftleeren Raum, sondern meist in einem Team oder im Austausch mit Anderen. Und auch hier ist die Basis für diese Ideen von vielen Anderen vorher geschaffen worden. Die einzelne Person oder das einzelne Unternehmen als Eigentümer eines Patentes entspricht also nicht so recht der Wirklichkeit - war jedoch für die Industrialisierung ein angemessener Weg. Heute sind die Quellen einer Idee immer schwerer zu fassen. Konsequent ist es daher, auf das persönliche geistige Eigentum zu verzichten. "Wenn 2 Menschen 1 Euro tauschen, so hat jeder weiterhin 1 Euro. Wenn 2 Menschen 1 Idee tauschen, so hat jeder jedoch hinterher 2 Ideen!" Wir wollen daher unsere Ideen mit Allen frei tauschen.

  • Kollaborative Arbeitsweise.
    Diese Begriff stammt u.a. aus der Kunst-Szene. Er bedeut: Offenheit für Andere. Jeder Interessierte kann sich (weltweit) mit einklinken. Es gibt eine dynamische Selbstorganisation. Jeder entscheidet selbst über seine Arbeit und Zeit. Jeder ist für sich selbst verantwortlich. Dies mag auf den ersten Blick chaotisch aussehen, aber dennoch ein sehr produktives und kreatives Chaos. Es macht Spaß. Und es fällt leicht, dabei in einen überaus produktiven Flow-Zustand zu kommen.

  • Coopetition.
    Eine Mischung aus Cooperation und Competition, also Zusammenarbeit und Wettbewerb gleichzeitig. In Unternehmen der Softwarebranche aus der Open-Source-Bewegung kooperieren Unternehmen in gemeinsamen Projekten. Sie schaffen eine gemeinsame, non-commercial Basis. Ihr Geld verdienen sie parallel dazu durch Support und Service für ihre Kunden, z.B. Anpassung der freien Software an die konkreten Bedürfnisse des Kunden. In unserem Netzwerk sollen die Ideen und das Wissen frei sein. Die konkrete Fertigung, Materialbeschaffung und gegebenfalls Vertrieb kosten natürlich trotzdem Geld. Fahrräder wird es nicht umsonst geben, nur das Wissen und die Ideen rund um neue Fahrräder.

  • Geben und Nehmen.
    Ein Netzwerk funktioniert nur dann gut, wenn die Bilanz zwischen Geben und Nehmen ausgewogen bis positiv ist. Dies gilt für die Gesamtheit des Netz-werkes und auch für jeden einzelnen Mitwirkenden. Allerdings kommt es oft vor, dass man von einer anderen Seite des Netzwerkes etwas bekommt, als von der, der man was gegeben hat. Ausschließliches Geben laugt aus und macht den gegenseitigen Austausch schwierig. Nur Nehmen führt dazu, dass Andere sich ausgenutzt fühlen. Was gegeben und genommen wird, kann sehr vielfältig sein, Idee, Feedbacks, Anregungen, Arbeitsleistungen, Materia-lien, Geld und vieles mehr. zum Seitenanfang

Netzwerk

Wir wollen ein Netzwerk schaffen für die Entwicklung von Fahrrädern. Das Netzwerk an Kontakten und Beziehungen zwischen vielen interessierten Personen und Unternehmen bzw. Organisationen ist die Basis für einzelne Projekte.

Aus dem Netzwerk heraus können sich kleine lokale Teams bilden, die z.B. gemeinsam in einem Workshop für sich selbst Fahrräder bauen. Vielleicht wird es auch lokale Entwicklungsprojekte geben. Der Vorteil der lokalen Zusammenarbeit ist die Möglichkeit, Hardware (Maschinen, Werkzeuge, Material) gemeinsam zu benutzen.

Die nächste Ebene ist dann die der gleichen Sprache. Also z.B. die Gruppe der deutschsprachig Interessierten. Auf dieser Ebene stellen wir uns eine Kombination aus Kommunikation über das Internet und realen Treffen (in Form von Open-Space- Workshops) vor. Eine zentralen Webserver mit für das Netzwerk interessanten wissenschaftlichen Texten, Forschungsberichten, Messergebnissen, Datenblättern, Konstruktionsunterlagen (CAD, CAE), Bauanleitungen, Wer macht was, Wer biete welche Ressourcen, Wer braucht was usw. - bzw. Links zu den entsprechenden Quellen. Ziel ist Kooperationen zu initiieren und punktuelle Zusammenarbeit zu unterstützen.

Mittelfristig soll das Netzwerk global werden. Kommunikation über das Internet. Eine zentrale Stelle mit Links zu den ansonsten autonomen Gruppen und Projekten. Fertigungsunterlagen für Projekte in "unterentwickelten" Ländern. Übersetzung der interessantesten fremdsprachigen Materialien. Und vielleicht schaffen wir es ja auch, per Groupware o.ä. global an Projekten sehr konkret zusammen zu arbeiten.zum Seitenanfang

Projekte

Ich habe den Eindruck, dass es eine Reihe von Projekten gibt, für die das offene Netzwerk sehr hilfreich sein kann. Projekte, die Einzelne nicht allein fortsetzen können z.B. wegen Zeit- oder Ressourcenmangel. Oder weil man das Projekt langsam ganz abgeben möchte.

Konkretes Beispiel: Für mein vor 11 Jahren zusammen mit Martin Glup entwickeltes Fahrrad gibt es global immer mal wieder den Wunsch, es nachzubauen. Ich möchte also eine Bauanleitung für dieses Fahrrad über das Internet kostenlos als geistiges Gemeineigentum anbieten. Ich suche jetzt ein Team im Raum Bielefeld, das diese Fahrräder mit meiner Unterstützung bauen möchte und mir die Möglichkeit bietet, daraus eine sehr anschauliche Bauanleitung zu erstellen. Kleine lokale Gruppen mit einer kleinen Werkstatt können es dann nachbauen - egal ob in Deutschland, in den USA oder Australien.

Außerdem habe ich Interesse daran, dies Fahrrad weiter zu entwickeln. Noch mehr Nutzerorientierung durch z.B. Faltbarkeit. Aber allein ist mir der Aufwand zu groß.zum Seitenanfang

Initiierung

Der erste Schritt ist dies Papier.

Der zweite Schritt ist, ein kleines Netz von Personen zu schaffen, die die Idee des "Open Bicycle Network" mit tragen und unterstützen. Personen, die die weiteren Schritte zum Netzwerk mit planen und die Idee bekannt machen. Kommunikation primär per Mailingliste, aber auch vor Ort oder Telefon.

Wenn das Konzept mit der kleinen Start-Gruppe optimiert wurde, möchte ich die Idee öffentlich machen. Also an die Presse, Verbände, Vereine, relevante Unterneh-men, Newsgroups usw..

Dieser Schritt an die Öffentlichkeit soll gekoppelt werden mit einer Einladung zu einem etwa 2½-tägigen Open-Space-Workshop im deutschsprachigen Raum. Bei diesem realen Zusammentreffen vieler Interessierter lernen sie sich gegenseitig (wertschätzend) kennen, tauschen Ideen aus und starten Projekte. Der Workshop dient also zur Festigung des Netzwerkes, für vielfältige, neue Kontakte, zum ersten Ausprobieren der neuen Form der Zusammenarbeit und zur Initiierung der konkreten Projekte.

Parallel dazu wird ein Server im Internet für das Netzwerk eingerichtet. Neben der Dokumentation des Workshops dient er auch als Kontakt- und Ressourcenbörse. Zunächst deutschsprachig.

In einem weiteren Schritt erfolgt die Internationalisierung. Also Übersetzen der dann vorhanden Materialien auf dem Server und Verbreitung der Idee weltweit.

Schließlich hoffe ich, dass wir auch zu einer offenen, globalen Zusammenarbeit kommen. Eventuell unterstützt über entsprechende Software im Internet.zum Seitenanfang

Fragen

Viele Fragen sind natürlich noch offen. Aber dies gehört einfach zu einer dynamischen Organisation. Wahrscheinlich werden sie sich im Laufe der Zeit klären.

So ist zum Beispiel die Finanzierung offen. Ist alles einschließlich der anfänglichen Koordinierung und dem Server kostenfreie Leistung der Mitwirkenden? Oder gibt es irgendwo Fördermittel dafür und Sponsoren?

Unklar ist der Termin für die Open-Space-Konferenz. Ich tendiere zu Frühjahr 2002 (März). Was ist an anderen Terminen zu beachten?

Wie ich aus eigener Erfahrung weiß, sind gute Übersetzungen gar nicht so einfach. Wer hilft uns hier weiter beim Schritt Richtung Internationalisierung? Vielleicht ist dies ja auch schon eines der ersten Projekte auf globaler Ebene: Die Übersetzung ins Englische.

Wie bekommen wir den zentralen Server möglichst einfach gemanagt? Stichworte Content Management und Groupware?

Über rein fahrradtechnische Fragen hinaus gibt es also eine Reihe von Themen für den ersten Open-Space-Workshop. Schau'n wir mal!zum Seitenanfang

Ihr Beitrag

Lieber Leser, liebe Leserin! Nun haben Sie hoffentlich eine Idee davon bekommen, was "Open Bicycle Network" bedeuten kann. Und vielleicht haben Sie Lust, auf irgendeine Weise daran mitzuwirken. Ich freue mich auf Ihre Mitarbeit!

Schicken Sie mir doch einfach eine Mail und geben Sie mir ein konstruktives Feed-back zu der Idee des "Open Bicycle Network". Vielleicht haben Sie ja auch schon Ideen, wie Sie das "Open Bicycle Network" unterstützen können. Ich bin neugierig auf Ihre Anregungen.

Wenn Sie gerne auf dem Laufenden gehalten werden möchten über das "Open Bicycle Network": Es gibt eine Internet-Seite dazu unter www.lustaufzukunft.de/obin. Dort können Sie sich auch für einen Newsletter zum "Open Bicycle Network" eintragen. Ich hoffe auf eine rege Resonanz.zum Seitenanfang

Kontakt zum Autor:

Rainer Pivit
Marktstr. 29a
33602 Bielefeld

Tel. 05 21 - 201 80 81

pivit@lustaufzukunft.de

www.lustaufzukunft.de
www.pivit.de

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© Rainer Pivit, Marktstr. 29a, D-33602 Bielefeld, Tel 05 21 - 201 80 81
letzte Aktualisierung: 2005-03-07